Unsere Sage stammt von der Nordsee, von den friesischen Inseln, die als langgezogene Kette vor dem Festland liegen. Das Meer hat hier in unerbittlichem Kampf Stück um Stück vom Kontinent losgerissen und weggespült, bis diese Inseln übriggeblieben sind. Aus diesem Kampf des Meeres mit dem Lande ist unser Märchen entstanden. Friesische Seefahrer mögen es vor langer Zeit von ihren Reisen mitgebracht haben, als ihnen in der holländischen Südersee eine seltsame Pflanze aufgefallen war, die sie sonst noch nirgends angetroffen hatten. Es war ein grasartiges Gewächs, das auf schwanken Stengeln aus dem Meer aufwuchs und sie an Kornhalme erinnerte. Aber die Ähren, die es trug, waren taub. Wie kam dieses seltsame Korn in das Wasser? So mögen sich die Seeleute gefragt haben. Und allmählich bildete sich dann um dieses Gras eine Sage, die sich durch die Jahrhunderte erhalten hat, eine Sage von einer einstmals blühenden Stadt, die dem Meer zum Opfer gefallen war. Wie war diese herrliche Stadt untergegangen, fragten sich die Seeleute. Und wie in so vielen Sagen, erschien ihnen dieser seltsame Untergang als Strafgericht für ein frevelhaftes Leben, und er vermischte sich mit dem rätselhaften tauben Korn zu der Sage, die sich bis auf unsere Tage erhalten hat und die unsere Platte erzählt.