Übernommener Text von der Rückseite der Schallplattenhülle:
Marcel Aymé, 1902 als Sohn eines Schmieds in Burgund geboren, war nach einigen Semestern in Medizin als Versicherungsvertreter, Maurer, Filmstatist und Zeitungsreporter tätig. Das Schreiben wurde schließlich sein endgültiger Beruf. Er zählt heute zu den bedeutenden Schriftstellern Frankreichs, deren Werke international bekannt sind und mehrfach ausgezeichnet wurden.
Wird von ihm auch gesagt, er sein von „geradezu pflanzenhaftem Schweigen bewohnt“, so verraten seine satirischen Romane, surrealistischen Bühnenwerke, Komödien voll skurriler Einfälle die Intensität eines bunten Lebens. Seine zeitkritischen Dichtungen setzten sich u.a. mit Sittenverfall und „Resistance“, Säuberungsaktionen und Todesstrafe auseinander.
Wechseln dabei faszinierend Phantasie und Derbheit, Sensibilität und Plattheit, so überraschen gerade bei den für Kinder geschriebenen Erzählungen die zarten, doch nicht weniger treffsicheren Töne und Stimmungen.
In der Fabel vom Hund und dem blinden Landstreicher nimmt ein Wesen dem anderen seine Blindheit ab, nichts daran scheint ungewöhnlich. Und manchmal scheint es so, als sei das Bewusstsein, gut zu sein, viel bedeutungsvoller als der Verlust des Augenlichts. Als die Katze z.B. von den Kindern gelobt wird, weil sie die Blindheit des Hundes akzeptiert, „freut sie sich sehr und senkt den Kopf und merkt nicht einmal, dass sie nicht sehen kann“.
Charlotte Niemann hat die Fabel vom Hund und dem blinden Landstreicher zu einem Hörspiel veranlasst. Inspiriert von der beseelten Anmut Ayméscher Wortmelodik hat die Bearbeiterin der Regisseurin eine Partitur in die Hand gegeben, die in ihrer polyphonen Stimmführung von Erzählung, Dialog und Klang etwas von der Zartheit und durchsichtigen Dramatik einer Kammermusik gewinnt.
Bei diesem Hörspiel handelt es sich um die Erstproduktion des Senders Radio Bremen. Regie führte in beiden Aufnahmen Charlotte Niemann, es wurde für beide Aufnahmen ein und dasselbe Manuskript verwendet.
Die erste Aufnahme fand 1964 statt, im Rahmen von insgesamt sechs Folgen mit dem Serientitel „Kater Titus erzählt“.